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29.04.2014

Gefäßtraining - was ist das?

Dr. Kirsten Naue ist Gefäßspezialistin mit großer Erfahrung im Doppler-Ultraschall der Gefäße.

Damit das Blut vom Herzen in alle wichtigen Körperregionen transportiert und mit ausreichend Sauerstoff versorgt wird, leisten die Arterien harte Arbeit. Daher können schon kleine Verengungen eine Gefährdung des optimalen Flusses bedeuten. Viele Menschen wissen nicht, dass sie unter einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit leiden. Um im schlimmsten Fall Raucherbein, Schlaganfall und Herzinfarkt vorzubeugen, sind nicht nur regelmäßige Untersuchungen beim Angiologen wichtig, sondern auch Bewegung.

Gefäßtraining ist die Basistherapie der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK), bei der durch Verengungen oder Verschlüssen der Schlagadern bedingte Durchblutungsstörungen der Beine vorliegen. Dabei muss sich die Störung nicht zwingend in Form von Schmerzen äußern. „Trotz fehlender Beinschmerzen – Claudikatio/Schaufensterkrankheit – können betroffene Patienten gefäßkrank sein“, erläutert Dr. Kirsten Naue. Die häufigsten Risikofaktoren für eine Arteriosklerose sind Rauchen, Diabetes, Bluthochdruck und erhöhte Blutfettwerte. Doch auch das Alter, genetische Veranlagungen, eine ungesunde Ernährung, Übergewicht und Bewegungsmangel können eine Rolle spielen.

REGELMÄSSIGES TRAINING UNABDINGBAR

Durch ein gezieltes, mehrmals in der Woche durchgeführtes Gehtraining kann die Durchblutung und damit die Erkrankung verbessert werden. Kleinste Gefäße erweitern sich, es bilden sich Ersatzgefäße und die Sauerstoff- sowie Nährstoffversorgung der Muskulatur verbessert sich. Dabei ist zu beachten, dass nur Patienten in einem Stadium der Erkrankung ohne Ruheschmerz oder Geschwüren bedingt durch eine schlechte Blutversorgung (Stadium I und II) davon profitieren. „Bei hochgradigen Verengungen im Bereich der Beckenschlagadern hilft das Gehtraining eher weniger“, so die Fachärztin.

Um die Motorik, Ausdauer, Beweglichkeit und Durchblutung dauerhaft zu fördern, sollten Betroffene dreimal in der Woche mindestens 30 Minuten bis eine Stunde trainieren. Neben Fahrradfahren, Schwimmen, Gymnastik, Treppensteigen und Zehenstandübungen ist auch rasches Gehen, am Anfang unter Anleitung durch beispielsweise Physiotherapeuten oder  Gefäßsportgruppen, optimal. „Letzteres kann der behandelnde Arzt verschreiben, und in den meisten Fällen übernehmen die Kassen die Kosten der Behandlung“, erklärt Naue. Der Patient erlernt so das richtige Laufen, Abrollen und das Einhalten von Pausen zur Erholung der Muskulatur. „Bei regelmäßigem Gehtraining kann so die Gehstrecke nach und nach verlängert werden, Schmerzen vermindern sich und die Lebensqualität steigt – Schritt für Schritt.“

NICHT ZU LANGE WARTEN

Das typische Anzeichen einer pAVK, Schmerzen beim Gehen, wird von vielen Frauen und Männern anfangs oft als unwichtig abgetan. Erst, wenn sie auch bei kleinen Strecken kaum noch ohne Stehenbleiben laufen können, wird ein Facharzt aufgesucht. „Betroffene sollten nicht so lange warten“, rät Naue. In der Kardiologisch-Angiologischen Praxis bietet das kompetente Team fachärztlichen Rat auf dem Gebiet der Gefäßerkrankungen. „Eine einfache und schnelle Ultraschalluntersuchung an Armen und Beinen kann eine pAVK bei Risikopersonen identifizieren, noch bevor man die ersten Symptome bemerkt“, so die Ärztin. So könne Schlimmeres wie ein Herzinfarkt oder Schlaganfall verhindert werden. Die Expertin rät ab einem Alter von 50 Jahren bei entsprechenden Risikopatienten zu einer regelmäßigen Vorsorgeuntersuchung der Beingefäße.

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