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10.12.2013

Herzinfarkt-Risiko im Winter

Nach ein paar heißen Sommertagen sind der Herbst und der Winter für Herzpatienten angenehme Monate – sollte man zumindest meinen. Mehrere Studien haben allerdings gezeigt, dass zur kalten Jahreszeit mehr Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen sterben als im Sommer. Menschen mit kardiologischen Vorerkrankungen sollten besondere Achtsamkeit walten lassen.

Studien haben ergeben, dass wenn die Tagestemperatur um zehn Grad fällt, die Herzinfarkthäufigkeit um bis zu zehn Prozent steigt. Zudem konnte belegt werden, dass sich systolischer Blutdruck, Bauchumfang und Cholesterinwert im Winter erhöhen.


Eine potenzielle Ursache für die vermehrten kardialen Todesfälle sind Bewegungsmangel und eine ungesunde Ernährung, die sich in den dunklen Monaten schnell einschleichen. Die niedrigen Lufttemperaturen können außerdem zu einer Verengung von Blutgefäßen führen. Das Herz muss das Blut dann gegen einen erhöhten Widerstand pumpen. Dies kann je nach Vorerkrankung des Patienten zu einer Überlastung des Herzmuskels führen.


ANZEICHEN ERKENNEN


Ein plötzlicher Kältekontakt lässt die Blutgefäße zusammenziehen. Der Blutdruck steigt und belastet das Herz. Betroffene leiden dann häufiger unter Brust- und Herzschmerzen oder haben ein dumpfes, einschnürendes oder drückendes Gefühl, das teilweise auch als brennend empfunden werden kann – Angina pectoris genannt. Vor allem Männer zwischen 50 und 65 Jahren und Herzpatienten sind gefährdet. Ungewohnte körperliche Belastungen am frühen Morgen, wie beispielsweise Schneeschippen, sollten daher vermieden werden. Ein Herzinfarkt kann sowohl Männer als auch Frauen treffen. Die Symptome sind allerdings unterschiedlich. Stärkere Dauerschmerzen im Brustraum, die klassisch in den linken Arm ausstrahlen, Atemnot, Angst, Schwächegefühl und kalter Schweiß, sind bei Männern ein deutliches Indiz. Bei Frauen äußert sich ein Infarkt eher mit einem Druck- oder Engegefühl sowie unspezifischen Symptomen, wie starke Kurzatmigkeit, Übelkeit, Erbrechen oder Beschwerden im Oberbauch.


EIN WINTERFESTES HERZ


Um Herz und Kreislauf vor den Gefahren des Winters zu schützen, raten die Herzspezialisten der Kardiologisch-Angiologischen Praxis insbesondere dazu, sich warm anzuziehen. Gesicht, Hals und Brust sollten bei Kälte gut geschützt sein. Um den Kreislauf etwas in Schwung zu bringen, tut ein kleiner Spaziergang an der frischen Luft gut. „Mindestens drei bis vier Mal pro Woche sollte man sich auch im Winter bewegen – egal, ob drinnen oder draußen – aber mindestens 30 Minuten. Optimal ist beispielsweise Nordic Walking, Schwimmen oder jeglicher Ausdauersport, bei dem der Puls deutlich bis auf 130 Schläge pro Minute ansteigt“, rät Dr. Erhard König. Vorsicht sei allerdings bei extremer Kälte geboten: Bei höheren Minusgraden sollten sich Herzpatienten im Freiem nicht anstrengen, zudem sind Herz und Kreislauf besonders am frühen Morgen anfällig. Ein guter Tipp für alle, die in den eigenen vier Wänden etwas tun möchten: Ein Hometrainer oder Fahrradergometer ist hier eine gute Wahl. Dieser muss nicht im Keller oder Schlafzimmer stehen, sondern kann auch im Wohnzimmer einen guten Platz finden.


AUF GESUNDE ERNÄHRUNG ACHTEN


Die kühleren Temperaturen machen Lust auf deftiges Essen. Anfällige Menschen sollten allerdings auf fettreiche, unausgewogene Speisen verzichten, da diese in Verbindung mit Kälte Angina pectoris auslösen können. Experten empfehlen daher eine ganzjährige Ernährung mit viel frischem Obst und Gemüse, Olivenöl und Fisch. Auch Hülsenfrüchte und Nüsse sind erlaubt. „Insgesamt ist eine gute Versorgung mit Vitaminen und Mineralien wichtig, um das Herz fit für die Anforderungen des Winters zu machen“, erläutert Dr. Athanasios Gkanatsas. Magnesium spielt hierbei eine besondere Rolle, da es die Blutgefäße weitet und die Muskulatur entspannt. So kann es einen zu hohen Blutdruck senken und das Herz schonen. Enthalten ist Magnesium unter anderem in den glutenfreien Körnerfrüchten Amaranth, Quinoa, Meeresalgen, Kürbis- und Sonnenblumenkernen, Naturreis, Kakao, Sojabohnen, Kichererbsen, Nüssen und Mandeln.


Auch Orotsäure unterstützt den körpereigenen Schutzschild. So gilt Orotsäure als Schlüsselsubstanz für den Energiestoffwechsel und für die Produktion lebenswichtiger Herzenzyme. Studien haben gezeigt, dass deren Aufnahme den Zellstoffwechsel ankurbelt und sich der Energiegehalt der Herzmuskelzellen erhöht. Besonders viel Orotsäure findet sich in Molke, sowie in Schaf- und Ziegenmilch.


SAUNAGÄNGE SIND NICHT GEEIGNET


Ein gemütlicher Saunagang ist bei Schnee und Frost eine Wohltat für Körper und Seele. Zudem profitiert das Herz-Kreislauf-System von der gesunden Wärme. Menschen mit Herzvorerkrankungen müssen allerdings aufpassen: Leiden sie unter Herzrhythmusstörungen oder hatten bereits einen Herzinfarkt, dürfen sie zwar saunieren, sollten vorab aner ihren Arzt fragen. Herzenge und hoher Blutdruck sind ebenfalls Faktoren, die mit dem Arzt geklärt werden sollten.

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