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13.03.2014

Herzklappenfehler rechtzeitig erkennen und behandeln

Dr. Reinhold Hachmöller führt ein Echokardiogramm bei einem Patienten durch.

 

Für den wichtigsten Muskel im Körper, das Herz, besitzen dessen vier Klappen eine zentrale Rolle. Sie funktionieren ähnlich wie ein Ventil, da sie im gesunden Zustand das Blut stetig in eine Richtung fließen lassen und somit Rückflüsse vermeiden. Schädigungen an den Herzklappen bestehen meist entweder von Geburt an oder entwickeln sich im Laufe des Alters. In jedem Fall sollten Frühsymptome wie Luftnot bei Belastung ernstgenommen und vom Herzspezialisten untersucht werden. Es gibt zwei Arten von Herzklappenfehlern: Probleme mit der Pumpleistung des Herzens aufgrund einer Verengung, auch Klappenstenose genannt, und Einschränkungen aufgrund von undichten Klappen – die Klappeninsuffizienz. „Erstere tritt besonders bei älteren Patienten auf, da sich deren Herzklappen über die Jahre abnutzen oder Ablagerungen eine korrekte Funktion verhindern“, weiß Dr. Reinhold Hachmöller. „Aber auch Herzklappenentzündungen als Folge einer unerkannten bakteriellen Infektion können Schädigungen hervorrufen.“ Durch Infarkt beeinträchtigte Herzen können durch Mängel der Papillarmuskeln, welche die Mitralklappe schließen, eine Insuffizienz entwickeln.

 

AUF SYMPTOME ACHTEN

 

Bei allen Formen von Herzklappenfehlern verspüren Patienten oft ähnliche Symptome. „Diese reichen von Kurzatmigkeit und Brustenge über Schwindelgefühle bis hin zu Herzrhythmusstörungen“, sagt Dr. Reinhold Hachmöller, Herzspezialist in der Kardiologischen-Angiologischen Praxis am Herzzentrum Bremen. Auch unbestimmte Druckgefühle in der Brustgegend, insbesondere bei körperlicher Anstrengung, gehören dazu sowie Schwellungen (Wassereinlagerung der Fußgelenke). „Nur eine sorgsame und ausführliche ärztliche Untersuchung deckt die Ursache dieser Beschwerden auf!“

 

ANFANGSVERDACHT DURCH EKG UND RÖNTGEN

 

Alle Herzpatienten kennen diese drei Buchstaben sehr genau: EKG. Dieses zeichnet elektrische Impulse des Herzes mithilfe von 12 Elektroden auf und lässt dadurch Rückschlüsse auf den Zustand des Herzens zu. Das EKG kann den Verdacht auf eine Herzklappenerkrankung aufkommen lassen, jedoch nicht beweisen, dass ein Herzklappenfehler vorliegt. „Auch das Röntgen des Brustkorbs bietet oft einen Anfangsverdacht, da wir hierbei eine Vergrößerung erkennen können, die wiederum Folge einer Klappenerkrankung sein kann“, erläutert Hachmöller.

 

HÖREN UND SEHEN

 

Zu einer genauen Diagnose von Herzklappenfehlern benötigen die Kardiologen letztlich nur zwei Untersuchungsformen: die Auskultation (Abhören) und das Echo. Jeder kennt es von seinem Hausarzt, dass dieser das Herz abhört. „Auch am Herzzentrum gehört dies an den Anfang einer jeden Untersuchung bei Verdacht einer Herzklappenerkrankung“, erklärt Hachmöller. Das zentrale Diagnosemittel ist jedoch das sogenannte Echokardiogramm und die Doppleruntersuchung, welche mithilfe von Ultraschallwellen ein genaues Bild der Herzklappen erzeugen und die Strömungsgeschwindigkeiten an den Herzklappen messen. „Damit diagnostizieren wir Klappenfehler und deren funktionelle Auswirkungen bereits so umfassend, wie dies früher nur eine Katheteruntersuchung ermöglichte“, sagt Hachmöller.

 

WANN IST EINE OPERATION NOTWENDIG?

 

Sofern die Diagnose Herzklappeninsuffizienz oder -Stenose feststeht gibt es je nach Schwere der Erkrankung verschiedene Therapieformen. „Sofern eine leichte bis mittelschwere Dysfunktion vorliegt, ist noch keine Operation notwendig“, so Hachmöller. Liegt eine schwere Herzklappenerkrankung vor und verursacht Beschwerden, bleibt Patienten ein operativer Eingriff nicht erspart. Von entscheidender Bedeutung für die Entscheidung sind die Symptome des Patienten, also Luftnot bei Belastung oder Brustenge. Oft entwickeln sich diese schleichend, so dass die Patienten diese oft nicht selbst bemerken. Die Symptome aber sind das wichtigste Zeichen, dass der Klappenfehler das Herz überfordert. Wichtigste Aufgabe des Kardiologen ist es, zu erkennen, wann dieser Zeitpunkt gekommen ist. Patienten mit einer Verengung der Aortenklappe, die ihnen Beschwerden wie Luftnot bereitet, müssen operiert werden. Anderenfalls verschlechtert sich ihr Zustand innerhalb eines Jahres und wer sich nicht operieren lässt, riskiert einen frühzeitigen Tod. Damit ist die Lebenserwartung so schlecht wie bei aggressiven Krebserkrankungen.

 

ANGEWANDTES OPERATIONSVERFAHREN

 

Bei der undichten Mitralklappe ist heute in der Regel eine sogenannte Klappenrekonstruktion das Verfahren der ersten Wahl. Die Klappe wird nicht ersetzt, sondern durch spezielle Nähte und den Einsatz eines Rings „repariert“. Nur in seltenen Fällen ist eine Reparatur nicht möglich. „Bei der häufig im höheren Alter anzutreffenden Aortenklappenstenose muss die Klappe immer komplett ersetzt werden“, so Hachmöller. Dabei kann eine biologische, aus speziell präparierten Schweineklappen, die nicht abgestoßen werden, oder eine mechanische Kunstklappe eingesetzt werden. Nachteil der mechanischen Klappen ist die Notwendigkeit einer lebenslangen medikamentösen Behandlung mit Gerinnungshemmern.

 

TAVI

 

Bei Patienten mit hohem Operationsrisiko kann neuerdings bei der Aortenklappenverengung eine neue Bioklappe ohne Operation eingesetzt werden. Dieser Eingriff (TAVI = transarterielle Valve-Implantation) wird im Herzkatheterlabor durchgeführt. Eine Vollnarkose ist zwar immer noch erforderlich, die Patienten können das Krankenhaus allerdings bereits nach 4 bis 5 Tagen verlassen. Am LDW gibt es ein Team von Kardiologen, Anästhesisten und Kardiochirurgen, die sich auf diesen Eingriff spezialisiert haben und ihn mit sehr guten Ergebnissen durchführen. Wenn die Leistenarterie zu klein oder zu geschlängelt ist, kann der Herzchirurg die neue Herzklappe auch über einen kleinen Schnitt an der linken Seite des Brustkorbs einsetzen, ohne dass die Herz-Lungen-Maschine benötigt wird.

 

TAVI ALS ZWEITOPERATION

 

In etwa 10 Prozent der Fälle verengt sich nach einigen Jahren eine implantierte Bioklappe durch Einlagerung von Kalk. Früher musste dann eine zweite Operation durchgeführt werden. Heute kann man mittels TAVI eine neue Klappe in die alte, verengte Klappe hineinschieben. Dies ist auch bei Mitralklappen eine Option.

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