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04.03.2016

Vorhofohrverschluss

Im Alter zählt Vorhofflimmern zu den häufigsten Herzrhythmusstörungen. Dabei ist die normale Kontraktion der Vorkammer gestört, sodass sich insbesondere im sogenannten Herzohr – eine pferdeohrartige Aussackung – gefährliche Blutgerinnsel bilden können. Im schlimmsten Fall kommt es zu einer Embolie, einer Verschleppung eines Gerinnsels, und infolgedessen zum Schlaganfall. Um dies zu verhindern, werden Gerinnungshemmer eingesetzt, doch nicht jeder Patient kann diese nehmen. Es gibt allerdings ein neues Behandlungsverfahren, um Betroffenen zu helfen: Die Implantation eines Vorhofohroccluders.

Herzpatienten, die unter anfallsweisem oder dauerhaftem Vorhofflimmern leiden, Medikamente aber nicht vertragen oder bei denen ein hohes Blutungsrisiko besteht, kann mit einem Vorhofohroccluder geholfen werden. Dabei handelt es sich um eine Art „Stöpsel“, der das Vorhofohr dauerhaft verschließt. Klinische Studien über einen Zeitraum von inzwischen fünf Jahren zeigten, dass nach einem erfolgreichen Verschluss die Schlaganfallrate ebenso gut gesenkt werden konnte im Vergleich zu Patienten, die mit einem Gerinnungshemmer behandelt wurden, und noch wichtiger: die Häufigkeit schwerer Blutungen verringerte sich um 40 Prozent. Ob der interventionelle Vorhofohrverschluss (LAAO) in Betracht kommt, wird vorab im ausgiebigen Gespräch und im Rahmen einer Transösophageale Echokardiographie (TEE-Untersuchung) festgestellt. Dabei wird eine Abbildung in 3D gewählt, um das Herz bestmöglich darzustellen. „Auch die Platzierung sowie die Lagekontrolle ist damit viel besser möglich“, erläutert Kardiologe Dr. Martin Gödde. Der Vorhofohroccluder wächst nach der Operation in den Folgemonaten ein, und es bildet sich eine neue Gefäßinnenhaut auf der Oberfläche. Bis diese vollständig gewachsen ist, muss der Patient für drei Monate noch ASS und Clopidogrel einnehmen, danach für weitere drei Monate nur ASS. Anschließend ist das Schlaganfall-Risiko dauerhaft reduziert, Gerinnungshemmer sind in der Regel gar nicht mehr nötig.


In den 1990er Jahren erkannte man, dass Thromben aus dem linken Vorhofohr für über 90 Prozent für Schlaganfälle verantwortlich sind. Danach verschlossen Herzchirurgen zusätzlich das Vorhofohr bei Patienten, die sich einer Herzoperation unterzogen und fanden ein deutlich gesenktes Schlaganfallrisiko im Vergleich zu nicht operierten Patienten. Patienten mit intaktem Vorhofohr
und Vorhofflimmern benötigen zur Blutverdünnung Markumar. Das dünne Blut senkt zwar das Risiko eines Schlaganfalles um bis zu 70 Prozent, es besteht aber die Gefahr von zum Teil lebensgefährlichen Blutungen. 2004 wurde das erste katheterimplantierbare System vorgestellt. 2008 assistierte Dr. Gödde Professor Jai-Wun Park in Hamburg bei der ersten Implantation eines Amplatzer
Occluders in Deutschland, dem direkten Vorgänger des heute verwendeten Systems. Seitdem implantierten sie zusammen in Harburg, später am Herzzentrum Coburg, über 400 Vorhofohroccluder. Nach großen internationalen Studien wurde die Methode 2012 von der Vereinigung der Europäischen Kardiologen in ihre Leitlinien aufgenommen.
Der Vorhofohrverschluss wird als Therapie empfohlen, wenn die Patienten Blutverdünnung nicht vertragen, indem sie Blutungen erleiden, trotz Blutverdünnung Schlaganfälle bekommen oder Blutverdünnung aus beruflichen Gründen nicht einnehmen können. „Bevor ein Vorhofohrverschluss implantiert wird, muss der Patient gründlich untersucht, die Krankengeschichte erhoben
und über die Methode aufgeklärt werden. Erst dann sollte die Entscheidung für die Implantation fallen“, so Dr. Gödde.

 

Foto:

Das Spezialisten-Team der Kardiologisch-Angiologischen Praxis für Vorhofohr-Verschlüsse:Prof. Park (Gast, ehemaliger Ausbilder von Dr. Gödde), Dr. Gödde, Dr. Jacubaschke, Dr. Hegeler, M. Pasalary (vorn)

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