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13.05.2016

Ein klassischer Angiologiefall

Herr K. bemerkt seit einigen Wochen zunehmende Schmerzen in der linken Wade, die regelmäßig beim Gehen nach etwa 200 bis 300 Metern auftreten.  Mitunter etwas früher bei schnellerem Laufen, aber auch erst nach längeren, langsameren Distanzen mit Pause. Bergauf tritt der Schmerz deutlich früher auf. Die Beschwerden sind mitunter lästig, da sie ein kurzzeitiges Stehenbleiben erzwingen. Herr K. schaut dann als Vorwand in Schaufenster, um nicht aufzufallen. Inzwischen ist der Leidensdruck so groß, dass er seinen Hausarzt aufsucht. Dieser untersucht ihn sorgfältig und tastet nach den Pulsen in beiden Leisten, Kniekehlen sowie Füßen. Dabei stellt er fest, dass sie an der linken Kniekehle und am linken Fuß nicht mehr fühlbar sind, wohl aber an der Gegenseite. Ergänzend wird der Blutdruck mit Spezialmanschetten an beiden Sprunggelenken gemessen, wobei auch hier Unregelmäßigkeiten auftreten. Mit Verdacht auf einen Verschluss der linken Oberschenkelarterie wird der Patient zum Gefäßspezialisten überwiesen. Eine durchgeführte Ultraschalluntersuchung bestätigt den Verdacht. Zwar hat sich zwischenzeitlich eine natürliche Umleitung von der linken Leisten- zur Kniekehlenarterie gebildet, diese sorgt aber nur für den Blutbedarf unter Ruhebedingungen. „Sobald die Wadenmuskeln auf der linken Seite mehr Blut benötigen und dieses über die Umleitung nicht ausreichend angeboten wird, treten Schmerzen auf“, erklärt Angiologe Dr. Friedrich Weber.

Für den Patienten ergeben sich zwei Möglichkeiten: Entweder Herr K. trainiert, indem er immer wieder bewusst bis in den Schmerz hineinläuft und damit das Wachstum sowie die Zunahme neuer natürlicher Umleitungen anregt. Die zweite Option ist die Wiederherstellung der verschlossenen Hauptarterie per Ballonaufdehnung oder die Überbrückung mit einer Bypassoperation. Aufgrund des Wunsches nach schneller Hilfe und Angst vor einer großen Operation, entschließt sich Herr K. für das Katheterverfahren in örtlicher Betäubung. Am Tag des Eingriffes gibt es ein leichtes Frühstück, kurz danach geht es ins Katheterlabor. „Unter örtlicher Betäubung wird dann ein kleines Schläuchlein, der Katheter, in die linke Leistenarterie eingeführt und unter Röntgenüberwachung ein flexibler, dünner Draht durch das Lumen der verschlossenen linken Oberschenkelarterie bis in die linke Wade vorgeschoben“, beschreibt Weber den Eingriff. Dabei dient der Draht dem Ballon als Schiene. Danach wird der Ballon über einen Druckschlauch aufgedehnt und gleichzeitig ein dünnes Drahtgerüst (Stent) entfaltet, das die neu eröffnete Arterie offenhält und den Wiederverschluss verhindern soll. „Nach Entfernung von Ballon und Draht bleibt nur die Gefäßstütze in der wiedereröffneten Schlagader, wächst im Laufe der nächsten Monate in die Gefäßinnenwand ein und verbleibt dort lebenslang.“ Nach etwa 30 Minuten ist der Eingriff erfolgreich abgeschlossen. Der Katheter wird entfernt und ein Druckverband angelegt, der für sechs Stunden ein Liegen auf dem Rücken erfordert und erst am Folgetag entfernt wird. Bereits am nächsten Morgen spürt Herr K. keinen lästigen Schmerz nach ersten Gehversuchen mehr.

 

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