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21.11.2016

Sportmedizinische Leistungsdiagnostik: Was ist das und für wen?

 

Wenn Sie wissen möchten, wie es mit Ihrer sportlichen Leistungsfähigkeit aussieht, bietet sich eine sportmedizinische Leistungsdiagnostik an. Dabei ist es unerheblich, ob Sie Anfänger, Wiedereinsteiger oder Profisportler sind. Denn egal aus welcher Motivation Sie Sport treiben oder treiben möchten -sei es mit dem Ziel Gewicht zu reduzieren, die Leistung zu steigern oder sich einfach nur wohler und fitter zu fühlen- sind die Ergebnisse der sportmedizinischen Untersuchung eine große Hilfe u.a. bei der Erstellung des für Sie idealen Trainingsplans, der Sie bei der Erreichung Ihrer Ziele optimal unterstützt.

Die sportmedizinische Leistungsdiagnostik wird in unserer Praxis in Form der Spiroergometrie durchgeführt, die durch die Laktatdiagnostik ergänzt werden kann, um ein noch genaueres Bild der Leistungsfähigkeit zu erhalten.

Ablauf einer sportmedizinischen Untersuchung mittels Spiroergometrie

Die Spiroergometrie ist eine Belastungsuntersuchung, die in der Regel auf einem Fahrradergometer oder seltener auch auf dem Laufband durchgeführt wird.  Dabei atmet man über eine kleine Gesichtsmaske während der Belastung. Die Belastung steigt bei der Untersuchung  stetig bis zur subjektiven Erschöpfung (Ausbelastung). In der Regel dauert die Belastungsphase je nach Protokoll zwischen 10 – 20 Minuten, abhängig vom Fitnessgrad und der Laststeigerungsrate, z.B. 20 Watt/min.  An der Maske ist ein Sensor, der die Sauerstoffkonzentration wie auch die Kohlendioxidkonzentration in der Ein-und Ausatemluft kontinuierlich misst. Gleichzeitig werden auch die Atemvolumina gemessen. Parallel erfolgt eine Pulsmessung und optional die Messung der Laktatkonzentrationen über Blutentnahmen am Ohrläppchen.

Zielgruppe

Die sportmedizinische Leistungsdiagnostik richtet sich grundsätzlich an alle Interessierten, die wissen wollen, wie leistungsfähig sie sind. Besonders aufschlussreich können die Ergebnisse für Ausdauersportler sein. Die Spiroergometrie ist aber auch ein Werkzeug, um den Untrainierten von dem (Herz-/Lungen-) Kranken zu differenzieren.

Ziel der Untersuchung und Messwerte

Anhand der Spiroergometrie kann eine wissenschaftlich belegte Einschätzung der Leistungsfähigkeit mit  Identifikation der aeroben und anaeroben Schwelle erfolgen.

Was die dabei gemessenen Werte V`O²max (max. O²-Aufnahme), VT1 (aerobe Schwelle) und VT2 (anaerobe Schwelle) bedeuten, soll  folgend genauer erklärt werden:

V`O²max.

…beschreibt die maximale Sauerstoffaufnahmekapazität als Maß der Leistungsfähigkeit in Litern/min.

Es gibt umfangreiche Vergleichs- bzw. Sollwerte, so dass eine ziemlich genaue alters- und geschlechtsabhängige Einschätzung mit einem Normalkollektiv möglich ist und man seine Fitness einschätzen kann.

VT1 (ventilatory threshold 1) bzw. LT1

…wurde ehemals aerobe Schwelle genannt und wird auch als erste Laktatschwelle (LT1) bezeichnet. Hier gibt es den ersten messbaren Anstieg der Blutlaktatkonzentration und ersten messbaren Anstieg der CO²-Produktion (aus der Blutbikarbonatpufferung) bei steigender Last.

Die dabei  durchschnittlich gemessene Laktatkonzentration im Blut beträgt 2,5mmol/l.

Dies ist eine relevante Schwelle, da bis dahin die benötigte Energie vornehmlich aus der Fettverbrennung entsteht (aerob). Man kann dieser ermittelten Schwelle eine Laststufe oder aber auch eine Herzfrequenz zuordnen. Wenn man unter dieser Schwelle bei der Belastung bzw. Herzfrequenz bleibt, kann man effektiv Gewicht abnehmen und ermüdet sehr spät, da die aeroben Reserven viele Stunden ausreichen. Daher wird diese Schwelle auch „Sauerstoffdauerleistungsgrenze“ genannt. Oberhalb dieser Schwelle werden zunehmend die Glykogenspeicher geleert, was zur Laktatbildung und Ansäuerung des Blutes führt.  Dies wiederum unterdrückt die Fettverbrennung.

VT2 (ventilatory threshold 2) bzw. LT2

Durch steigende Last kommt es zu einem weiteren  Anstieg des Laktats auf durchschnittlich 4,0mmol/l  und einer zunehmenden Ansäuerung des Blutes (metabolischen Azidose) und Aufbrauchen der puffernden Systeme, in erster Linie des Bikarbonats, auch LT2 (zweite Laktatschwelle, oder  MaxLASS, Laktat-steady-state) genannt.  Dies erfolgt zunächst linear, ab der VT2-Schwelle wird aber das übermäßige CO² dann durch die vom Atemzentrum gesteuerte massive Zunahme der Atemtiefe wie auch Atemfrequenz (Hyperventilation) abgeatmet.

Die VT2 liegt etwas unter der maximalen Belastbarkeit bzw. maximalen O²-Aufnahme.

Training in diesem Lastbereich oder Herzfrequenzbereich, z.B. beim High intensity interval training (HIIT), führt auch zu einer Steigerung der V`O²max.

Training zwischen VT1 und VT2 ist weitestgehend ineffektiv, da nur die Glykogenspeicher geleert werden, ohne relevante Fettverbrennung und ohne Verbesserung der Leistungsfähigkeit (Black hole of exercise).

Zusammenfassung

Durch die Spiroergometrie ist eine wissenschaftlich fundierte Leistungsanalyse möglich.  Man kann dadurch den individuellen Fitnessgrad im Altersvergleich ermitteln.  Mit den VT1- und VT2-Schwellen wird  eine konkrete Trainingsplanung gemäß der eigenen Zielsetzung wie primärer Fettabbau oder Leistungssteigerung ermöglicht.

Die Erkenntnisse aus der Spiroergometrie können gerade auch dem Sportler weiterhelfen, der trotz intensiven Trainings keine Leistungsverbesserung erzielt , um die Ursachen zu ergründen.

Der „Sportoptimierer“ hingegen weiß danach, wie er mit vergleichsweise wenig Aufwand maximalen Leistungszuwachs oder Fettabbau erreicht.  

 

Weitere Informationen zur Terminvereinbarung und zu den Kosten einer sportmedizinischen Leistungsdiagnostik finden Sie unter dem Menüpunkt "Leistungen".

 

Dr. med. Ertan Dogu

Facharzt für Innere Medizin / Kardiologie, Rettungsmedizin, Sportmedizin

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