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09.02.2017

Adipositas-Paradoxon – was ist wirklich dran?

Ein erhöhter BMI steht in Verbindung mit einem geringeren Sterberisiko – so belegten es Studien aus den USA 2014. Zwei Jahre später widerlegen Wissenschaftler, dass das daraus resultierende Adipositas-Paradoxon überhaupt existiert. Dies sorgt für Verwirrung, die wir hier aufklären möchten.

Im Jahr 2014 veröffentlichten Forscher um Katherine Flegal des US-National Center for Health Statistics eine Meta-Analyse von 97 Studien mit etwa 2,88 Millionen Teilnehmern, die den Einfluss des Body-Mass-Index (BMI) auf die Sterberate untersuchten. Das Ergebnis war vollkommen unerwartet: Übergewichtige hatten ein geringeres Sterberisiko, und zwar war es mit einem BMI im Bereich 25-28,9 sechs Prozent niedriger als mit einem BMI im Normalbereich (18,5-24,9). Den BMI errechnet man, indem man das Körpergewicht durch das Quadrat der Körpergröße teilt.

Da diese Ergebnisse widersprüchlich zu früheren Erkenntnissen stehen, wurden sie Adipositas-Paradoxon genannt und umfassend von Fachleuten diskutiert. Vor allem die resultierende Schlussfolgerung, dass es so etwas wie ein gesundes Übergewicht gibt, fand viele Zweifler. Wie konnte es zu diesem Ergebnis kommen? Lag es daran, dass kräftigere Menschen mehr Reserven haben, um Krankheiten zu überstehen, als schlankere? Auch hier überlebten „dickere“ Patienten eher als dünnere. Könnte es daran liegen, dass es unter den schlanken Patienten einige gab, die wegen Krankheiten wie chronisches Bronchialasthma oder unentdecktem Krebs ausgezehrter waren?

Wissenschaftler forschten somit weiter und widerlegten das Paradoxon in diesem Jahr. Ein Team aus 500 Forschern aus mehr als 300 Instituten fand schließlich heraus, dass Übergewicht, und sei es auch nur geringfügig, statistisch ein höheres Sterberisiko mit sich zieht. Die Zahlen ihrer Studie wurden statistisch angepasst, sodass das Rauchen oder chronische Erkrankungen die Ergebnisse nicht verfälschen konnten.

Schon ab einem BMI von 25-27,5 steigt das Mortalitätsrisiko um 7 Prozent. Bei einem Wert bis zur Adipositasgrenze von 30 steigt es sogar um 20 Prozent, im BMI-Bereich Adipositas I (30-35) beträgt das erhöhte Risiko 45 Prozent, im Adipositas-II-Bereich (35-40) ist das Sterberisiko um 94 Prozent erhöht. Der Leiter der Studie, Emanuele Di Angelantonio, stellt den Einfluss dieser Ergebnisse als beachtlich heraus: So liegt das Sterberisiko für einen normalgewichtigen Mann vor seinem 70. Geburtstag bei 19 Prozent. Dieses Risiko steigt auf 29,5 Prozent, läge ein BMI im Bereich von 30-35 vor. Bei Frauen ändert sich das Risiko mit zunehmendem Körpergewicht von 11 auf 14,6 Prozent. Demnach beeinflusst Adipositas das Sterberisiko bei Männern stärker als bei Frauen.

Abschließend ist festzuhalten, dass eine gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung und regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen wohl der Schlüssel zu einem langen Leben bleiben. Die Ärzte der Kardiologisch-Angiologischen Praxis raten ihren Patienten grundsätzlich dazu, das Normalgewicht anzustreben, denn jedes Pfund zu viel erhöht den Blutdruck und belastet so das Herz-Kreislauf-System.

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