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13.07.2017

Als Herzpatient auf Reisen

Urlaub gehört für viele zur schönsten Zeit des Jahres. Um in warmen Gefilden ferne Länder und fremde Kulturen zu entdecken, sollten sich Herzpatienten allerdings genau über etwaige Risiken mit ihrem Arzt austauschen. Dr. Martin Gödde, Kardiologe in der Kardiologisch-Angiologischen Praxis, gibt Antworten auf allgemeine Fragen und macht damit einem Großteil der Patienten Mut.

Grundsätzlich spricht in den meisten Fällen chronischer Herz-Erkrankungen wenig gegen eine Urlaubsreise, selbst wenn Flüge Teil derer sind. „Es gilt vorab zu klären, ob körperliche Belastungen, wie beispielweise Treppensteigen oder eine gewisse Wegstrecke zu Fuß, bei Patienten zu Atemnot oder Herzrasen führen“, sagt Gödde. „Ist dies ungehindert möglich, spricht dies in den meisten Fällen für ein stabiles Herzkreislaufsystem.“ In Zweifelsfällen helfen Untersuchungsmethoden wie ein Belastungs-EKG, Risiken abzuklären.

SCHONFRIST EINHALTEN

Infarktpatienten gelten je nach Schwere der Erkrankung in den ersten drei Wochen bis drei Monaten als nur bedingt reisefähig und nicht selten als flugunfähig. „Vorsicht ist auch bei akuter Herzinsuffizient sowie kürzlich zurückliegender Eingriffe, wie etwa einer Aortenklappenstenose, geboten“, betont der Kardiologe. „Ich rate Patienten immer, dass sie sich rechtzeitig mit uns in Verbindung setzen und wir gemeinsam beraten, ob aus medizinischer Sicht etwas gegen eine Reise spricht.“ Hierzu gehört es, abzuklären, ob die Reisedauer in eine Zeit fällt, in der wichtige Untersuchungen wie die Prüfung von Blutwerten oder andere Kontrolluntersuchungen anstehen, und ob diese möglicherweise vorab durchzuführen sind.

ÜBER DEN WOLKEN

Aber nicht nur die Art der Fortbewegung, auch besondere Umstände am Zielort sprechen bei bestimmten Patientengruppen gegen eine Reise. Hoch gelegene Urlaubsziele, insbesondere jene in über 3.000 Metern über dem Meeresspiegel, können zum Beispiel Patienten mit einer pulmonalen Hypertonie gefährden. „In diesen Fällen führt der verringerte Sauerstoffgehalt zu einem veränderten Lungendruck, der sich bei vorliegenden Erkrankungen, wie einem erhöhten Gefäßwiederstand, negativ auf die Herzfunktion auswirken kann“, so Gödde. „Gleiches gilt auch für die Reise mit dem Flugzeug. Allerdings entspricht die Belastung keineswegs der regulären Flughöhe von über 10.000 Metern. Im Flugzeug sorgt der Kabinendruck für eine Atmosphäre, die etwa einer Höhe von 2.500 Metern auf der Erde entspricht.“

NAHELIEGENDE FRAGEN UND ALLGEMEINE TIPPS

Es sind allerdings meist die einfachen Fragen, die einem kurz vor Antritt einer Reise durch den Kopf gehen. „Oft fragen mich Menschen mit Herzschrittmacher oder Träger von ICD – implantierbaren Kardioverter-Defibrillatoren –, was es bei Flughafenkontrollen zu beachten gilt“, nennt er ein Beispiel aus der Praxis. „Grundsätzlich sollten Patienten bereits beim Check-in das Personal der Fluggesellschaft darauf hinweisen, dass sie Träger eines solchen Gerätes sind und auch den entsprechenden Ausweis vorzeigen.“ Hintergrund: Die Flughafenkontrolle wird dann persönlich und nicht mittels eines Metalldetektors durchgeführt. Zwar besteht bei heutigen Modellen kaum eine Gefahr, dass durch eine Wechselwirkung das Gerät des Patienten Schaden nimmt, aber hier gilt die Regel: Sicher ist sicher.

Ein weiterer wichtiger Ratschlag: alle wichtigen Dokumente sollten auch im Urlaub mit sich geführt werden. „Bei kardialer Vorgeschichte ist es besonders wichtig, im Notfall den am Urlaubsort behandelnden Arzt bestmöglich über die Krankengeschichte informieren zu können. Deshalb ist es ratsam, die Unterlagen vorab ins Englische übersetzen zu lassen.“ Zudem sollten die Dokumente Informationen zur aktuellen Hausmedikation, wie etwa der Einnahme von Marcumar, den letzten Arztbrief sowie gegebenenfalls den Bericht über eine kürzlich zurückliegende Operation enthalten“, so der Herzspezialist.

Außerdem sollten sich Patienten vor Reiseantritt über die ärztliche Versorgung vor Ort informieren. Hierzu gehört auch die Kenntnis über das nächstgelegene kardiovaskuläre Zentrum.

Besonders für ältere Patienten und jene mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen empfiehlt Gödde einen umfassenden Impfschutz: „Es gibt viele Erkrankungen, die sich in ihrem Verlauf negativ auf das Herz auswirken. Der beste Schutz besteht darin, länderspezifischen Erkrankungen mit einer Impfung vorzubeugen, damit der schönsten Zeit des Jahres nichts im Wege steht.“

 

Urlaubscheckliste für Herzpatienten

-          Allgemein:

  • Arztgespräch vor Reiseantritt vereinbaren
  • Impfprophylaxe beachten
  • Alle wichtigen Unterlagen mitführen, u. a.:
    • Aktuelle Hausmedikation
    • Letzter Arztbrief
    • OP-Bericht
    • ICD-, Schrittmacher-, Klappenprothesen-, Marcumar-Ausweis

-          Medikamente:

  • Ausreichend Medikamente für die komplette Dauer der Reise einpacken
  • Alle notwendigen Medikamente mit ins Handgepäck nehmen

-          Für den Notfall:

  • Nummer des behandelnden Arztes in Deutschland notieren
  • Recherche vor Reiseantritt nach Behandlern und Herzzentren vor Ort

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