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10.08.2017

Plötzlicher Herztod im Sport – Ursachen und Prävention

Ein Fußballer oder Tennisspieler bricht auf dem Spielfeld zusammen und stirbt wenig später. Die Diagnose: plötzlicher Herztod. Immer wieder sorgen solche unerwarteten Todesfälle für Aufsehen. In den Medien geht es häufig um junge Leistungssportler, die sehr gut trainiert sowie scheinbar kerngesund und fit waren. Um es gleich vorwegzuschicken: Sport ist gesund. Ursache für den plötzlichen Herztod unter Trainings- oder Wettkampfbedingungen sind bestimmte unerkannte Herzerkrankungen, die bei Athleten meist erst unter körperlicher Belastung relevant werden. Nicht nur der Leistungssportler, auch der Untrainierte kann bei Überlastung gefährdet sein.

Im Alltag sind diese Erkrankungen nicht wahrnehmbar. Arbeitet der Kreislauf allerdings auf Hochtouren, können sie bösartige Herzrhythmusstörungen auslösen, die unmittelbar zum Tod führen. Nach aktuellen Daten kommen auf 100.000 Personenjahre etwa zwei solcher Fälle. Das Phänomen ist also sehr selten. Andererseits sind Leistungssportler bis zu 2,5-mal häufiger betroffen als Nichtsportler. Zur Risikogruppe gehören vor allem männliche Leistungssportler unter 35 Jahren. Seltener trifft es Frauen. Die Erkrankung kann überlebt werden, wenn früh Hilfsmaßnahmen getroffen werden. Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie propagiert daher die Bereitstellung von Defibrillatoren in Sportarenen und anderen Sportstätten direkt am Spielfeld.

MEDIZINISCHE URSACHEN

Im Alter unter 35 Jahren führen sehr unterschiedliche Erkrankungen zum plötzlichen Herztod: Bei der hypertrophen Kardiomyopathie sind die Herzwände im Verhältnis zur Herzhöhle zu dick. Auch unter dem Mikroskop lassen sich charakteristische Veränderungen feststellen. Erwähnt sei auch die arrhythmogene rechtsventrikuläre Kardiomyopathie, bei der Wände der rechten Herzkammer aufgrund eines genetischen Defekts fehlgebildet sind. Statt gesundem Muskelgewebe finden sich in den Herzwänden Fettgewebe mit Narbensträngen, die als Leitungsbahnen für lebensbedrohliche Rhythmusstörungen dienen können. Bei der Myokarditis liegt – beispielsweise als Folge eines verschleppten Infektes – eine Entzündung des Herzmuskels vor, die mit einer eingeschränkten Pumpfunktion einhergehen kann. Auch kann die Blutversorgung des Herzens kritisch gestört sein, wenn die Kranzgefäße wegen eines genetischen Defektes einen unnormalen Abgang und Verlauf aufweisen, z.B. zwischen Körper- und Lungenschlagader anstatt davor. Bei massiven Anstrengungen erweitern sich beide Arterien und drücken so die zwischen ihnen verlaufende Kranzarterie ab – Die Blutversorgung des Herzens wird so behindert. Bei den sogenannten Ionenkanalerkrankungen sind die bei der Erregung der Zellen des Reizleitungssystems ablaufenden Vorgänge gestört. Bösartige Herzrhythmusstörungen können verursacht werden, die ebenfalls einen Herzkreislaufstillstand über Kammerflimmern zur Folge haben. Genetisch bedingte Fehlentwicklungen der Herzklappen können auch eine Ursache sein, wie z.B. die bicuspidale Aortenklappe (siehe Seite …).

Im Alter über 35 Jahren ist die häufigste Ursache für den plötzlichen Herztod die koronare Herzerkrankung, bei der es auf dem Boden von Gefäßverkalkungen – der Atherosklerose – akut zu kritischen Verengungen und Verschlüssen der Herzkranzgefäße kommen kann. Auch in diesen Fällen muss der Patient reanimiert werden.

VORBEUGUNG

All diese Erkrankungen und Anomalien sind, besonders in ihren milden Formen, schwer zu erkennen. Aktuelle Leitlinien empfehlen daher vor (Wieder-)Aufnahme eines regelmäßigen körperlichen Trainings eine entsprechende ärztliche Screening-Untersuchung. Leistungskader werden einem solchen sportkardiologischen Check regelmäßig unterzogen. Dabei wird nach entsprechenden Anzeichen gefahndet. Noch vor der körperlichen Untersuchung wird zusätzlich erfragt, ob es Fälle von plötzlichem Herztod bei erstgradigen Verwandten gegeben hätte und ob Nahrungsergänzungsstoffe oder Medikamente eingenommen würden, die auf Dopinglisten geführt werden. Darüber hinaus wird ein Zwölfkanal-EKG empfohlen, das wichtige Hinweise auf Erkrankungen geben kann, die dann beispielsweise mit Ultraschall- oder einer 3D-Schnittbildgebung wie CT oder MRT des Herzens weiter abgeklärt werden sollten. Langzeitstudien in Italien haben gezeigt, dass durch die gesetzliche Einführung einer Sporttauglichkeitsuntersuchung für Wettkampfsportler aller Leistungsklassen und Wettbewerbe im Jahr 1982 die jährliche Rate des plötzlichen Herztodes beim Sport von 3,6 auf 0,4 pro 100.000 Personenjahre gesenkt werden konnte.  

Ihre sportkardiologischen Ansprechpartner am Herzzentrum Bremen sind in der Kardiologisch-Angiologischen Praxis Dr. Anja Wesenberg, Dr. Ertan Dogu und Privatdozent Dr. Christoph Langer.

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