Pressemitteilungen

 
10.10.2011

Herzohrverschluss ersetzt Medikamente

Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung weltweit. Sie tritt vor allem bei älteren Menschen auf. Diese Form der Herzerkrankung kann zum Schlaganfall, den damit verbundenen körperlichen Einschränkungen, bis hin zum Tod des Betroffenen führen. Als Alternative zu einer medikamentösen Therapie nehmen die Fachärzte der Kardiologisch-Angiologischen Praxis in Kooperation mit dem Klinikum Links der Weser am Herzzentrum Bremen seit  August dieses Jahres einen so genannten Herzohrverschluss vor. Diese invasive Methode mindert das Schlaganfallrisiko und ersetzt die dauerhafte Einnahme von Medikamenten.

Ein bis 1,5 Prozent der Bevölkerung in Deutschland leidet an Vorhofflimmern. Zu dessen wirksamer Behandlung trägt vor allem eine Schlaganfallprophylaxe bei. Kardiologe Dr. Christian Hegeler erklärt diese so: „Patienten nehmen langfristig Medikamente zur Hemmung der Blutgerinnung wie Marcumar ein.“ Bei einer solchen Therapie bestehe aber immer die Gefahr von Hirnblutungen. „Auch andere Nebenwirkungen sind möglich. Viele Patienten empfinden die dauerhafte Einnahme solcher Medikamente als belastend, weil eine regelmäßige ärztliche Überwachung notwendig ist“, so Hegeler weiter. Jetzt können die Kardiologen einen alternativen Ansatz bieten.

Das Ärzteteam der Kardiologisch-Angiologischen Praxis und der Klinik für Kardiologie am Herzzentrum Bremen greift auf eine invasive Behandlungsmethode zurück. „Mittels Katheter verschließen wir im Herzkatheterlabor das linke Herzohr“, beschreibt Hegeler den Eingriff. Im rechten und linken Herzvorhof existiert jeweils ein Herzohr. Es handele sich dabei um eine Art Ausstülpung, deren Sinn noch nicht umfassend erforscht sei. Belegt ist jedoch, dass das linke Herzohr ein häufiger Entstehungsort für Blutgerinnsel ist, die zu einem Schlaganfall führen können. Hegeler: „Vorhofflimmern bewirkt einen unregelmäßigen Herzschlag, der die Auswurfleistungen des Herzens vermindert. In der Folge verlangsamt sich der Blutfluss in den Vorhöfen, was wiederum Blutgerinnsel begünstigt.“

Bei dem Eingriff wird dem Patienten nun ein schirmartiges Drahtgeflecht eingesetzt, das sich selbst entfaltet. Das Implantat ist durch Widerhaken in der Wand des Herzohres stabil befestigt. Hegeler weiter: „Schon nach wenigen Wochen wachsen rund um das Schirmgeflecht dieselben Zellen, die auch die Wände der Blutgefäße bilden. Ist das Implantat vollständig überzogen, verschließt es das Herzohr vollständig.“ Dann könnten sich keine Gerinnsel mehr bilden, das Risiko einen Schlaganfalls reduziere sich und auch die Einnahme der blutverdünnenden Medikamente werde überflüssig.

Der Eingriff selbst  dauert durchschnittlich nur ein bis zwei Stunden. Die Patienten müssen aber nach dem Eingriff überwacht werden, so dass sie erst nach etwa vier bis fünf Tagen aus dem Krankenhaus entlassen werden können. Das Kardiologenteam der Praxis rechnet angesichts der demografischen Entwicklung mit steigenden Patientenzahlen, da Vorhofflimmern mit steigendem Alter häufiger auftritt.

zurück